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Das LVR-Industriemuseum beherbergt mit einem Standort in Engelskirchen seit 1987 im Untergeschoss (auf dem Bild links) das ehemalige  Wasserkraftwerk der 1979 geschlossenen
Baumwollspinnerei Ermen & Engels.

Die nicht mehr betriebsfähige Anlage ist weitgehend erhalten und steht, wie auch die ehemaligen Fabrikgebäude, unter Denkmalschutz.

Heute ist im rechten Teil hinter der Treppe das Rathaus von Engelskirchen.
Im erhöhten Verbindungsgang zwischen den Gebäuden befindet sich das Trauzimmer.



Das Wasser der Agger wurde etwa 1,3 km vor dem Kraftwerk angestaut und teilweise in einen Kanal abgezweigt.
Im weiteren Verlauf erreichte das Wasser ein Speicherbecken und wurde unter Bahn und Straße zum Kraftwerk geleitet.

Von diesen Wasserbau-Anlagen ist fast nichts mehr erhalten.


(Bild Ausstellung LVR)


Auch der im Laufe der Zeit immer wieder vergrößerte Speicher konnte in Trockenzeiten keine ausreichende und gleichmäßige Energieversorgung sicherstellen.
Deshalb existierten schon im 19. Jahrhundert Dampfmaschinen mit einer Gesamtleistung von 260 PS, die über Transmissionen die nötige Energie lieferten, um die Maschinen der Fabrik anzutreiben.  (Quelle)










Rechts sind die noch vorhandenen Absperrorgane am Einlauf des trockengelegten Oberwassergrabens zu sehen.
An der linken Wand befindet sich noch ein alter Elektromotor zum früheren Heben und Senken der Schütztafel für die Nordturbine über Flachriemen.

Eine der beiden Doppel-Francisturbinen von Briegleb, Hansen &Co, Gotha, Nr. 2734 und 2735, im begehbaren südlichen Turbinenschacht (Baujahr 1907).
Die nutzbare Fallhöhe betrug etwa 6,5m.
Jede Doppelturbine hatte bei einem Durchfluss von 5 m³/sek eine Leistung von 238 kW.

Rechts ist die Regelstange zu sehen, die nach oben zum Turbinenregler führt. Damit konnten die kranzförmig angeordneten Leitschaufeln der Turbine verstellt werden, um den Wasserzufluss zu regeln.

Die erste Generation von Wasserturbinen wurde bereits in den 1850er Jahren eingesetzt. Davor gab es ein eisernes Wasserrad.  (Quelle)




Der ältere, vom Wasserzulauf aus linke Generator, stammt aus dem Jahr 1923

Technische Daten siehe Typenschilder unten

Generator


Erregermaschine

Die Generatoren standen in den 1930er Jahren noch eine Etage höher.
Das mächtige Transmissionsrad von der Turbinenwelle zum Generator auf der Südseite der Anlage.

Die Inschrift an der Wand zur Turbine lautet:
1907 BRIEGLEB, HANSEN & CO, GOTHA No 2734-2735

Die Turbinen an der Nordseite haben die Nummern 2736-2737
Der neuere AEG-Generator auf der nördlichen Seite der Anlage.
(Baujahr 1950er Jahre)


Auffällig ist, dass der Generator bei einer Turbinenleistung von 258 kW etwas überdimensioniert ist und somit nicht mit dem optimalen Wirkungsgrad laufen konnte.




Typenschild Generator


Schon ab den1920er Jahren konnte die Wasserkraftanlage alleine den steigenden Energiebedarf der Fabrik nicht mehr decken.
Seit 1924 wurde bei Bedarf Strom aus dem Kreiselektrizitätswerk Gummersbach-Dieringhausen zugeschaltet.
Ab 1935 ist das Elektrizitätswerk vom RWE übernommen worden.

Die letzte Dampfmaschine wurde1938 demontiert.
Übergangsweise gab es noch einen Schiffsdieselmotor.
(Quelle)








Der zum südlichen Maschinensatz gehörende Voith Öldruck Turbinenregler mit der Nummer 4701, Baujahr 1923.

In der "Regleretage" oberhalb der Generatoren und Turbinen befindet sich ein weiterer Regler (Bild rechts), der die Nordturbine steuerte (Nr. 4259 Baujahr 1909).












In der Schalttafel gibt es ein Drehsteller, der einen Links- Rechtslauf des kleinen Gleichstrommotors am Turbinenregler bewirkte.
Damit konnte eine Feinregulierung der Turbinendrehzahl durch Verstellen der Leitschaufeln vorgenommen werden. Wichtig für eine Synchronisierung des Generators mit dem Stromnetz vor dem Zuschalten oder zur Einstellung der 50Hz Frequenz im Inselbetrieb.

Im Normalbetrieb übernahm der Reger den automatischen Ausgleich bei Belastungsschwankungen des Generators.
Der Treppenaufgang von der Ebene der hydraulischen Regler zur Schalttafel.

Rechts unter der Decke die Verbindungswelle zwischen den Regelstangen
Als die Wasserkraftanlage in den 1980er Jahren vom damals noch Rheinischen Industriemuseum übernommen wurde, fehlte die original Synchronisier-Anzeige in der Schalttafel.
Glücklicherweise konnte ein fast baugleicher Ersatz der ursprünglichen Instrumente aus der Textilfabrik Krawinkel in Gummersbach Vollmerhausen beschafft werden.


Diese drehbaren Instrumente waren im 90 Grad Winkel zur Schalttafel angebracht, um sie von fast jedem Schalter aus im Blick zu haben.
Heute gefahrlos möglich: ein Blick auf die Schalttafel von der Rückseite.








Weiterführende Literatur:
"unter Spannung" bei ERMEN & ENGELS dem Strom auf der Spur
ISBN 3-7927-1572-4
Landschaftsverband Rheinland,
Rheinisches Industriemuseum Schriften, Band 9 1996


"Ermen & Engels in Engelskirchen" Industriealisierung einer ländlichen Region
Landschaftsverband Rheinland,
Rheinisches Industriemuseum Schriften, Band 3 1987

                                                     Belegschaft der Firma Ermen & Engels vor 1900, Firmenarchiv E & E, Postkarte